PUBLICATIONS |
||
February 2011 BOOK LAUNCH! Die Fotogalerie Wien publiziert den Katalog IDENTITÄT / IDENTITY Bild- und Textbeiträge von: Oreet Ashery, Hubert Blanz, Katharina Cibulka, Shahram Entekhabi, Gianmaria Gava, Conny Habbel, Orit Ishay, Peter Köllerer, Friedl Kubelka, Astrid Korntheuer, Trish Morrissey, Julia Müller-Maenher, Liza Nguyen, Natascha Stellmach, Tim Sharp, Oliver Ressler & Dario Azzellini, Christian Wachter Katalog Werkschau Nr. 45: IDENTITÄT „Was konstituiert Identität heute?“, fragt das kuratorische Team der Fotogalerie Wien anlässlich des Themenschwerpunkts für das Jahr 2010. Die dreiteilige Ausstellungsserie fokussiert Identit ät der Gegenwart in ihrer vielfältigen wie prozessualen Gestalt, ebenso wie die gezeigten künstlerischen Positionen die gleichsam unabschließbaren und vor allem uneindeutigen Facetten der Identitäten heutiger spätmoderner Subjekte widerspiegeln: Die KünstlerInnen visualisieren, wie die miteinander verwobenen Ausformungen personaler und kollektiver Identitäten zwischen Selbst- und Fremdbestimmung paradox changieren. Identität I – Biografie reflektiert die Relation von Biografie und Identität als ‚Entwicklungslinie alltäglicher Identitätsarbeit’. Wie lässt sich biografische Selbsterfahrung heute bewältigen? Wie je nach Lebensphase und Handlungsaufgaben jeweils unterschiedliche, widersprüchliche und divergente Teilidentitäten in einer Biografie dominieren, die es im Wechselspiel mit den Anforderungen von außen und von innen zu synthetisieren gilt, zeigen auch die für den Auftakt des Jahresschwerpunkts ausgewählten KünstlerInnen. Insbesondere der Seriencharakter aller fünf künstlerischen Statements verweist indirekt auf die fragmentierte wie inkonstante Beschaffenheit heutiger Subjekte. Das Themenfeld der zweiten Ausstellung, Identität II – Identitätsstiftung, hinterfragt die ambivalenten Interpretationsmodelle der Identitätsstiftung, die je nach Kontext zwischen Identifikation und Ideologisierung divergieren: Für die Abschlussausstellung IDENTITÄT III – Verortung hat das kuratorische Kollektiv der Fotogalerie Wien künstlerische Positionen eingeladen, die sich mit der Verortung des Subjekts in der Spätmoderne kritisch auseinandersetzen. Während in der frühen Moderne kollektive Identitäten ein sicheres Bezugssystem bereit hielten, in denen die individuellen Identitäten ihren Platz kannten, erfuhren ehemals stabilisierende Rahmenbedingungen wie Klasse, Nation, Ethnie, Kultur, Religion oder Geschlecht in der Spätmoderne Auflösungstendenzen. Aus der gegenwärtigen Sehnsucht nach Verortung spricht ein Bedürfnis, ein Gefühl von Zugehörigkeit und sozialer Anerkennung zu erleben. Denn die spätmoderne, (post)postkoloniale Welt steht infolge der Globalisierung unter dem Einfluss eines entgrenzten Welthorizonts, in welchem zusätzlich die Mediatisierung normierend auf Identität wirkt. Solche gesellschaftlichen Individualisierungs- und Pluralisierungsprozesse münden in eine Destabilisierung und Fragmentierung von Identitäten. Stärker denn je tritt dabei die Bedeutung von Machtgefügen in den Vordergrund, in denen sich die Frage von Zugehörigkeit als Kampf um Inklusion und Exklusion bisweilen drastisch abzeichnen.
NEUERSCHEINUNG, Oktober 2010 ASTRID KORNTHEUER ISBN 978-3-9813228-4-2 mehr Informationen und Bilder hier „Man begreift es nicht, man vermag es kaum zu fassen, es ist erschreckend, es ist etwas Unheimliches, etwas beinahe Überwältigendes. „Hat es einen Sinn?“ fragt man sich. Beinahe sinnlos ist es. Es betäubt, es macht den Verstand schwinden. Es tut den Augen, dem Herzen weh, es beklemmt und bestürzt die Seele.“ So wie Robert Walser über die Farbe Grün schreibt, so kann man auch über die Gestrüpp-Bilder von Astrid Korntheuer sprechen. Ihre Fotografien zeigen nicht nur Gehölz, Büsche, natürlich Gewachsenes, sondern auch von der Künstlerin merkwürdig inszenierte Chaosansammlungen und raumgreifende Installationen. Astrid Korntheuer interessiert sich für Dickicht, Verwirrungen und Spiel. Ihre Bilder entstehen mit einer Plattenkamera, die sie durch die Landschaft schleppt auf der Suche nach dem perfekten Gestrüpp. Oder aber Astrid Korntheuer schleppt das Gestrüpp in das Atelier zur Kamera: Ein Gestrüpp in Form einer Materialschlacht von Plastik, Papier, Lichterketten und Kram. Sie komponiert Chaos im Raum für die Fläche. Es entstehen Fotografien ohne Bildmittelpunkt, die überzuquellen scheinen: Detailreiche Wimmelbilder, auf denen man scheinbar endlos viel entdecken kann und dabei die räumliche Orientierung verliert. Die radikalen Raumauskleidungen stiften keinen plausiblen Dingzusammenhang, vielmehr terminieren sie in gegenstandsübergreifender Flächenordnung. Doch nicht alle Fotografien sind laut und aufdringlich. Astrid Korntheuers präzise orchestrierten Aufnahmen von Landschaft und Geäst sind ruhig, mal melancholisch. Aber auch hier wird das Gestrüpp zur Fläche, zum eigenständigen Konstrukt: weit entfernt, neu geordnet. Das Buch zeigt fünf wichtige, fotografische Serien der Künstlerin. Angefangen mit dem künstlichen Chaos der „Natures Mortes“ bis hin zum auf die Fläche gebannten Durcheinander von Landschaft.
ASTRID KORNTHEUER: STORYTELLING (2009), Hg. POLLEN Monflanquin, 24 Seiten erschienen anlässlich des gleichnamigen Aufenthaltstipendiums 09-12/2008, Textbeitrag von Didier Arnaudet
|
||